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In Gedenken an Wolfgang Jung (1938–2024): Ein unermüdliches Leben für den Frieden

Am 21. Juni 2024 starb Wolfgang Jung in seiner Heimatstadt Kaiserslautern. Mit ihm verlor die Pfalz und die Friedensbewegung einen beharrlichen Aufklärer, der als eine ihrer prägenden Stimmen in der Region Kaiserslautern/Ramstein galt. Dieser Nachruf und das auf sd-investigation.de bereitgestellte LUFTPOST-Archiv sind seinem langjährigen Einsatz gewidmet und sollen sein Andenken bewahren.

Wolfgang Jung wurde am 27. Januar 1938 in Miesenbach geboren – in unmittelbarer Nähe zu dem Ort, an dem später die Ramstein Air Base zu einem zentralen Bestandteil der US-Militärpräsenz in Europa wurde. Seit 1969 arbeitete er als Lehrer an der Goetheschule in Kaiserslautern. Über den schulischen Unterricht hinaus engagierte er sich für Frieden, Abrüstung und die Beachtung des Völkerrechts. Gemeinsam mit seiner späteren Ehefrau und langjährigen Mitstreiterin Fee Strieffler wandte er sich seit den 1970er Jahren gegen die Stationierung von Atomwaffen. Für dieses Engagement nahm er auch persönliche Nachteile und beamtenrechtliche Disziplinarverfahren in Kauf.

Sein nachhaltigstes publizistisches Projekt war die LUFTPOST – Friedenspolitische Mitteilungen aus der US-Militärregion Kaiserslautern/Ramstein. Wolfgang Jung und Fee Strieffler veröffentlichten von November 2004 bis April 2021 nahezu täglich recherchierte Beiträge, Übersetzungen, Dokumente und Kommentare. Die Publikation beschäftigte sich insbesondere mit der militärischen Infrastruktur in der Westpfalz, der Air Base Ramstein, internationalen Konflikten, Aufrüstung, Atomwaffen, Drohnenkrieg und den daraus abgeleiteten politischen und rechtlichen Fragen.

Überregionale Bekanntheit erlangte Wolfgang Jung auch durch seinen juristischen Einsatz. Er klagte gegen die Bundesrepublik Deutschland wegen der von ihm als verfassungs- und völkerrechtswidrig angesehenen Nutzung der Air Base Ramstein, insbesondere im Zusammenhang mit bewaffneten US-Drohneneinsätzen. Das Bundesverwaltungsgericht wies seine Klage mit Urteil vom 5. April 2016 mangels eigener Klagebefugnis zurück. Nach Auffassung des Gerichts konnte er sich als Anwohner nicht auf eine unmittelbare Verletzung eigener Rechte berufen. Das Verfahren trug dennoch dazu bei, die politische und juristische Debatte über die Verantwortung Deutschlands für militärische Aktivitäten über Ramstein öffentlich sichtbar zu machen.

Wolfgang Jungs physische Stimme ist verstummt. Seine Vorarbeit, seine Dokumentensammlung und sein beharrliches Eintreten für eine kritische Öffentlichkeit bleiben erhalten. Das LUFTPOST-Archiv auf sd-investigation.de soll sein publizistisches Lebenswerk digital erschließen, ohne die Originalpublikation zu ersetzen: Sämtliche Archivkacheln führen weiterhin zu den Original-PDFs auf luftpost-kl.de.

Sein Einsatz für Frieden, Abrüstung und Völkerrecht bleibt Auftrag und Anregung für alle, die seine Arbeit weiterführen, kritisch prüfen und für zukünftige Generationen zugänglich halten.


Quellen und weiterführende Hinweise

Quellenkritischer Hinweis: Die LUFTPOST war eine friedenspolitische Publikation und enthielt neben Dokumenten und Übersetzungen auch eigene Bewertungen und Kommentare. Aussagen aus einzelnen Ausgaben sollten mit Primärquellen, amtlichen Unterlagen und voneinander unabhängigen Gegenquellen abgeglichen werden.

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